Für welche Kameras benötigt man ein Zirkularpolfilter?

Zur Unterdrückung von Reflexionen und zur Verbesserung des Kontrasts kann sich ein Polarisationsfilter nützlich machen. Nun hört und liest man oft, moderne Kameras benötigten die teureren Zirkularpolfilter; lineare Polfilter würden zu Fehlern bei der Belichtungsmessung führen. Gilt das tatsächlich für alle Digitalkameras?

Die Abdunklung des Himmels durch das Polfilter macht eine reichlichere Belichtung des Vordergrunds möglich (links ohne, rechts mit Polfilter)

Dank der Unterdrückung von Reflexionen erscheint das Blattgrün wärmer und gesättigter

Polarisationsfilter gehören auch in der Digitalfotografie zu den nützlichsten Filtern. Trotz ihres relativ hohen Preises lohnt es sich, für jedes Objektiv – extreme Weitwinkelobjektive einmal ausgenommen – ein passendes Polfilter zu kaufen. Während die Lichtwellen normalerweise in allen möglichen Ebenen schwingen, filtert ein Polfilter Wellen mit einer bestimmten Schwingungsebene heraus; alle übrigen Lichtwellen werden mehr oder weniger stark unterdrückt. Da ein Polfilter drehbar ist, kann man die bevorzugte Schwingungsebene verändern und so die Wirkung des Filters steuern.

Die mit einem Polfilter erzielbaren Effekte sind vielfältig. Man kann damit Reflexionen an lackierten Flächen unterdrücken, ohne störende Spiegelungen durch Fenster oder Glasvitrinen fotografieren oder die Fische in einem Teich kontrastreich abbilden. Das reflektierte Licht ist – insbesondere wenn der Reflexionswinkel zwischen 30 und 40 Grad liegt – polarisiert, schwingt also vorwiegend in einer Ebene, und ein Polfilter kann diese Schwingungsebene sperren. Nur metallische Flächen und daher auch Spiegelglas polarisieren das Licht nicht; das Bild im Spiegel bleibt trotz Polfilter unverändert sichtbar. Ein Polfilter kann auch den blauen Himmel abdunkeln, wenn die Sonne links oder rechts der Kamera steht, wodurch sich der Kontrast zwischen hellem Himmel und dunklerer Landschaft verringert und die Landschaft entsprechend heller abgebildet werden kann, ohne dass der blaue Himmel ausbleicht. Auch Blattgrün profitiert von der Unterdrückung reflektierten Lichts; die Blätter erscheinen dann in einem wärmeren, kräftigeren Grün.

Das Glas des teilverspiegelten Rückschwingspiegels polarisiert das zur Mattscheibe reflektierte Licht (Quelle: Canon)

Was für ein Polfilter aber ist dazu nötig, ein einfaches lineares Polfilter oder ein teureres Zirkularpolfilter? Ein lineares Polfilter hat die oben beschriebene Wirkung; es lässt bevorzugt in einer (durch Drehen einstellbaren) Ebene schwingendes Licht durch, sodass das Licht hinter dem Filter überwiegend in dieser Richtung schwingt – das Licht ist linear polarisiert. Diese Eigenschaft erwies sich als problematisch, als die ersten Spiegelreflexkameras mit TTL-Autofokus auf den Markt kamen, für deren AF-Sensor ein Teil des Lichts aus dem Strahlengang in der Kamera abgezweigt werden musste. Der Rückschwingspiegel solcher Kameras ist in der Mittel nur teilweise verspiegelt, sodass ein Teil des Lichts statt zur Mattscheibe reflektiert zu werden durch den Spiegel hindurch dringt und von einem zweiten Spiegel dahinter zum AF-Sensor umgeleitet wird. Der halbdurchlässige Spiegel polarisiert nun seinerseits, und wenn er gerade diejenige Schwingungsebene unterdrückt, die allein vom Polfilter durchgelassen wird, gelangt weniger Licht zur Mattscheibe und das Sucherbild verdunkelt sich. Im Sucher sitzt aber auch der Sensor für die Belichtungsmessung, und so kann das Polfilter zu falschen Messergebnissen und damit Fehlbelichtungen führen.

Mit einem Zirkularpolfilter kann man dieses Problem vermeiden. Diese Polfiltervariante besteht aus einem linearen Polfilter und zusätzlich aus einer sogenannten λ/4-Platte, die das linear polarisierte in zirkular polarisiertes Licht umwandelt, in dem wieder alle möglichen Schwingungsebenen auftreten.

Ein Zirkularpolfilter, wie man es für eine DSLR benötigt

Alle aktuellen DSLRs haben teilverspiegelte Rückschwingspiegel und man muss daher Zirkularpolfilter verwenden, um Messfehler bei solchen Kameras zu vermeiden. Dagegen gibt es bei digitalen Kompaktkameras keine Spiegel im Strahlengang, was ebenso für spiegellose Systemkameras gilt – für beide Kameraklassen genügt daher ein preisgünstiges lineares Polfilter. Wenn man das Filter nicht mit dem Hintergedanken an den späteren Kauf einer DSLR erwirbt, sollte man einen etwaigen Aufpreis eher für eine besonders hochwertige Vergütung eines linearen Polfilters als für ein überflüssiges Zirkularpolfilter zahlen.


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