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Leica ohne Lee

CEO Steven K. Lee mit sofortiger Wirkung abberufen

22.02.2008 | mjh

In einer Ad-hoc-Meldung gab der Aufsichtsrat der Leica Camera AG heute bekannt, dass Steven K. Lee mit sofortiger Wirkung von seinem Posten als Mitglied und Vorsitzendem des Vorstands abberufen worden sei. Lee war im September 2006 zu Leica gekommen, um das neugeschaffene Ressort Unternehmensplanung und -strategie zu leiten; zuvor hatte er unter anderem im Management von IBM und Best Buy gearbeitet. Schon im November desselben Jahres wurde er Vorstandsvorsitzender. Unter Lees Führung nahm Leica eine positive Entwicklung und konnte die Zahl der Beschäftigten von 940 auf 1003 steigern; für das Geschäftsjahr 2007/2008 erwartet Leica, wieder schwarze Zahlen zu schreiben. Dennoch kam es offenbar im Verhältnis zu Mitarbeitern und Händlern zu Spannungen. In seinem aktuellen Newsletter beschreibt Leica-Händler Martin Meister die Probleme so: „Steven Lee vertrat eine Visison eines Geschäftsmodelles, welches die traditionell guten Beziehungen zu Händlern, Zulieferern und – als wichtigsten Teil – Ihnen als Leica-Kunden empfindlich gestört hätte. Widerstand gegen Lee entwickelte sich auf allen Ebenen. Innerbetrieblich entstand ein massiver Widerstand auch deshalb, weil Lee neben seinen fachlichen Entscheidungen auch menschlich in Fragen der Personalführung nicht anerkannt war.“ Eine Gruppe von Händlern hätte sich deshalb direkt an den Aufsichtsrat gewandt und ihm ihre Sicht der Dinge bei Leica mitgeteilt, woraufhin dieser sofort tätig geworden und Lee seines Postens enthoben hätte.

Mehrheitsaktionär Dr. Andreas Kaufmann (rechts) ersetzt vorläufig Steven K. Lee (links) als Vorstandsvorsitzenden

Den vakanten Posten des Vorstandsvorsitzenden hat vorläufig Leicas Mehrheitsaktionär und bisheriger Aufsichtsratsvorsitzender Dr. Andreas Kaufmann übernommen, der dafür seinen Aufsichtsratsposten aufgibt; diese Regelung ist zunächst bis zum Monatsende befristet. Kaufmann, dessen ACM Projektentwicklung GmbH 96,51 Prozent der Leica-Aktien besitzt, strebt schon seit Monaten an, auch die verbleibenden Leica-Anteile im Streubesitz aufzukaufen und die Leica Camera AG von der Börse zu nehmen. Die Hauptversammlung hatte im November letzten Jahres einen „Squeeze Out“ mit einer Abfindung der Minderheitsaktionäre beschlossen; gegen diesen Beschluss sind allerdings noch Anfechtungsklagen anhängig.

Ob die Abberufung des Vorstandsvorsitzenden Auswirkungen auf die Planung zukünftiger Produkte haben wird, lässt sich heute noch nicht voraussagen; zuletzt wurde zur diesjährigen Photokina mit der Ankündigung einer digitalen Spiegelreflexkamera als Teil von Leicas R-System gerechnet; diese R10 war offenbar das Lieblingskind Steven K. Lees, der selbst sieben Kleinbildkameras des R-Systems besitzt. Eine größere Kursänderung ist jedoch wenig wahrscheinlich, zumal alle wesentlichen Entscheidungen der vergangenen Monate wohl in Absprache mit Dr. Andreas Kaufmann getroffen worden waren.

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