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Olympus und Panasonic stellen Micro-FourThirds-Standard vor

05.08.2008 | mjh

Das Konzept der EVIL-Kamera („Electronic Viewfinder, Interchangable Lenses“), also einer Systemkamera mit Wechselobjektiven, die im Gegensatz zu einer DSLR einen elektronischen Sucher hat und daher weder Rückschwingspiegel noch Prisma braucht, wird schon seit Jahren diskutiert. Andeutungen, dass Panasonic an einer solchen Kamera arbeitete, gab es schon seit 2003, und das FourThirds-System schien eine gute Basis dafür bereitzustellen. Mit der heutigen Ankündigung von Olympus und Panasonic, ein Kamerasystem nach dem neuen Micro-FourThirds-Standard zu entwickeln, ist aus den Spekulationen nun ein offizielles Projekt geworden.

Micro FourThirds basiert wie das FourThirds-System, das es künftig ergänzen soll, auf demselben Sensorformat, das mit 17,3 mm x 13 mm ein Viertel der Fläche des Kleinbilds hat. Das Auflagemaß, also der Abstand zwischen Bajonett und Sensor, konnte hingegen annähernd halbiert werden, da kein Platz für einen Rückschwingspiegel benötigt wird, der den optischen Sucher sowie die AF- und Belichtungsmesssensoren mit Licht versorgt. Auch der Bajonettdurchmesser ist um rund 6 Millimeter geschrumpft, was zusammen mit dem von 38,85 auf rund 20 Millimeter verkürzten Auflagemaß den Bau noch kleinerer Objektive erlaubt – die Kenndaten des FourThirds-System zwingen schon im Bereich von Normalbrennweiten zu aufwendigen Retrofokalkonstruktionen, da das Bild bei einer Fokussierung auf Unendlich andernfalls vor dem Sensor liegen würde. Die Zahl der elektrischen Kontakte zwischen Objektiv und Kamera ist von 9 auf 11 angewachsen; die neuen Kontakte sollen die Live-View-Funktion (auf die die neuen Kameramodelle ja wegen des Wegfalls des optischen Spiegelreflexsuchers angewiesen sind) verbessern und künftig auch einen Video-Modus unterstützen. FourThirds-Objektive werden sich mit wenigen Einschränkungen mit einem Adapter nutzen lassen. Ohne Rückschwingspiegel kann der Autofokus nicht mit dem bei DSLRs üblichen Verfahren der Phasendetektion arbeiten; stattdessen soll wohl das Kontrastvergleichsverfahren der Kompaktkameras genutzt werden, das die vom Bildwandler gelieferten Daten zur Scharfstellung nutzt.

Olympus und Panasonic wollen bei der Entwicklung der Technologien für Micro FourThirds zusammenarbeiten, aber jeweils eigenständige Kameragehäuse, Objektive und andere Komponenten entwickeln. Wir rechnen damit, dass die photokina 2008 bereits konkretere Hinweise geben wird, wie Kameras nach dem neuen Standard aussehen und welche Eigenschaften sie haben werden. Auch die Zukunft von Panasonics FZ-Kameralinie, deren noch immer aktuelles Spitzenmodell, die DMC-FZ50, nun seit knapp zwei Jahren auf dem Markt ist, wird sich vermutlich bald klären. Statt durch ein weiteres kompaktes Superzoom-Modell könnte die FZ50 durch Panasonics erstes Micro-FourThirds-Modell abgelöst werden. Die Bildqualität kompakter Digitalkameras wird durch die Größe des Sensors beschränkt, die aber nicht beliebig gesteigert werden kann – über 2/3 Zoll hinaus werden Kameras mit großem Zoombereich zu unhandlich, während Modelle mit kleinerem Zoombereich für ein breiteres Publikum nicht attraktiv genug sind. Setzt man dagegen auf ein modulares Kamerasystem mit Wechselobjektiven, fällt der Zwang weg, alle Aufgaben mit einem einzigen Objektiv bewältigen zu müssen, womit die Abmessungen der Kamera-Objektiv-Kombination wieder schrumpfen (zu Lasten der Fototasche mit den übrigen Objektiven). Olympus hat bereits angekündigt, künftig noch kleinere Gehäuse als die bereits sehr zierliche E-420 bauen zu wollen. Micro FourThirds ist aber keineswegs der Nachfolger von FourThirds, sondern soll dieses Spiegelreflexsystem mit einem anders ausgerichteten Kamerakonzept ergänzen. Olympus wie auch Panasonic werden weiterhin FourThirds-Gehäuse und -Objektive entwickeln, und es steht zu vermuten, dass Module wie Olympus’ drahtloses Blitzsystem FourThirds und Micro FourThirds gemeinsam sein werden.

Unklar bleibt derzeit noch, welche Einschränkungen die geschrumpften Kenngrößen der Micro-FourThirds-Kameras mit sich bringen. Der viel beworbene Vorteil des FourThirds-Systems, aufgrund des gegenüber der Sensordiagonale doppelt so großen Bajonettdurchmessers die Konstruktion nahezu telezentrischer Objektive zu erlauben, lässt sich in der Micro-Version des Standards möglicherweise nicht mehr vollständig gewährleisten. Bei nahezu telezentrischen Objektiven ist die Austrittspupille weit vom Sensor entfernt, sodass die scheinbar aus weiter Entfernung kommenden Lichtstrahlen fast senkrecht auftreffen; eine Vignettierung durch Mikrolinsen ist damit ausgeschlossen. Die von Olympus und Panasonic zur Veranschaulichung genutzten Diagramme (oben) legen allerdings nahe, dass es bei Micro-FourThirds-Kameras größere Einfallswinkel geben könnte; die Lichtstärke soll dabei aber ungeschmälert erhalten bleiben.

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