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Super G

Panasonic stellt mit der G1 die erste Kamera nach dem Micro-FourThirds-Standard vor

12.09.2008 | mjh

Anfang August hatten Olympus und Panasonic die Einführung des Micro-FourThirds-Standards angekündigt, und rund sechs Wochen später steht nun auch schon fest, wie Panasonics erstes Kameramodell dieser Klasse aussehen wird – ganz anders als die 3D-Modelle eines Bloggers, die in den Online-Foren für Kontroversen gesorgt hatten, aber nicht so unähnlich den Modellen, von denen die Lumix DMC-G1 abstammt. Die G1 zeigt manche Gemeinsamkeiten mit der FourThirds-DSLR L10, aber auch mit dem Superzoom-Flaggschiff FZ50, dessen Nachfolge sie antritt.

Die G1 ist nun allerdings weder eine kompakte Bridge-Kamera noch eine DSLR, sondern das erste Exemplar einer neuen Gattung – den EVIL-Kameras, deren bedrohlich klingender Name für „Electronic Viewfinder, Interchangable Lenses“ steht, also eine modulare Systemkamera mit elektronischem statt Spiegelreflexsucher bezeichnet. Da solche Kameras keinen Spiegelkasten benötigen, kann das Auflagemaß, also der Abstand zwischen Bajonett und Sensor, verkürzt werden; bei Kameras nach dem Micro-FourThirds-Standard ist er auf etwa 20 mm halbiert. Damit wird nicht nur die Konstruktion flacherer Kameras möglich, sondern auch die Länge mancher Objektive reduziert, für die nun nicht mehr die aufwendigere Retrofokalbauweise gewählt werden muss. Dies war einer der Gründe dafür, dass der relativ kleine FourThirds-Sensor zwar den Bau kleinerer Teleobjektive erlaubte, bei Standard- und Weitwinkelzooms aber keine vergleichbare Verkleinerung brachte.

Die Verwandschaft zwischen Micro FourThirds und FourThirds zeigt sich beim Sensor, dessen Abmessungen von 17,3 mm x 13 mm identisch sind; das Bajonett hat dagegen einen geringeren Durchmesser und zwei zusätzliche Kontakte. FourThirds-Objektive können mit einem optionalen Adapter genutzt werden, wobei sich einige Objektive allerdings nur manuell fokussieren lassen. Micro-FourThirds-Kameras müssen auf den dedizierten AF-Sensor verzichten, mit dem DSLRs nach dem Phasendetektionsverfahren scharfstellen; Micro-FourThirds-Kameras fokussieren wie die Kompaktkameras anhand der Signale des Bildwandlers: Das Bild ist dann scharf, wenn der Kontrast im Messfeld den höchsten Wert erreicht. Dass das nicht mit allen FourThirds-Objektiven funktioniert, hatte sich schon bei der L10 gezeigt, die im Live-View-Modus ohne den AF-Sensor auskommen musste und dann nach dem Kontrastvergleichsverfahren scharfstellte. Mit den neuen Micro-FourThirds-Objektiven wird die automatische Fokussierung dagegen sicher gestellt sein.

Zu den wichtigsten Neuerungen der G1 zählt daher ein verbesserter Autofokus mit 23 frei wählbaren Messfeldern. Der neue Signalprozessor Venus Engine HD unterstützt nicht nur den Autofokus, sondern kann auch den für ein hochaufgelöstes Sucherbild nötigen Datendurchsatz bewältigen. Der elektronische Sucher zeigt 480.000 Pixel in allen drei Farben an, was der Auflösung eines herkömmlichen LCD-Panels mit 1,44 Millionen Pixeln entspricht, bei denen jedes Pixel nur eine der Grundfarben erzeugen kann. Diese Technologie hat auch Fuji in seiner Bridge-Kamera S100FS eingesetzt, deren Sucher allerdings weniger als halb so hoch auflöst. Das Sucherokular der G1 vergrößert 1,4fach, was umgerechnet auf eine Kleinbildkamera 0,7fach entspricht; das elektronische Sucherbild ist damit ebenso groß wie das optische Sucherbild einer Kleinbild-DSLR.

Wenn man nicht das Auge am Sucherokular hat, schaltet ein Augensensor auf ein dreh- und schwenkbares Display um, das 460.000 Pixel im Seitenverhältnis von 3:2 anzeigt – der eingesetzte FourThirds-Sensor hat ein Seitenverhältnis von 4:3. Das Display kann um 180 Grad geschwenkt und um 270 Grad gedreht werden, sodass auch ein Einblick von oben, unten und von vorn möglich ist. Obwohl die G1 für Sucher und Display einen hochaufgelösten Videodatenstrom mit einer Bildfrequenz von 60 Hz erzeugt, fehlt ihr seltsamerweise ein Movie-Modus – dabei wäre es dazu ja nur nötig, die ohnehin anfallenden Videodaten zu komprimieren und auf der SD- oder SDHC-Karte zu speichern. Auf die Vermisstenliste sind auch ein zweites Rändelrad wie bei der FZ50 und L10 oder alternativ ein Mini-Joystick zu setzen, wie ihn Panasonic der FZ28 und LX3 spendiert hat.

Bei der Vorstellung des Micro-FourThirds-Standards blieb zunächst offen, was für einen Verschluss die neuen Modelle haben würden. Die G1 hat einen Schlitzverschluss, ebenso wie ihre FourThirds-Schwestern, und kann damit Verschlusszeiten zwischen 1/4000 und 60 Sek. realisieren, im Bulb-Modus auch bis zu vier Minuten. Die Synchronzeit liegt bei einer für einen Schlitzverschluss typischen 1/160 Sek..

Der Sensor löst 12 Megapixel auf, mehr als alle bisher bekannten FourThirds-Sensoren, und man kann davon ausgehen, dass er künftig auch in FourThirds-DSLRs Verwendung finden wird. Anhaftende Fremdkörper kann er wie bei FourThirds-Kameras üblich mit dem von Olympus entwickelten Ultraschallstaubfilter abschütteln. Bei der Bildstabilisierung setzt Panasonic allerdings nicht auf Olympus’ Verfahren, das Verwacklungen durch Gegenbewegungen des Sensors ausgleicht, sondern auf seine eigene erprobte Technologie, die das Bild mit einer beweglichen Linsengruppe im Objektiv stabilisiert. Einen solchen Bildstabilisator findet man daher auch im 14–45 mm Standardzoom (umgerechnet 28–90 mm) mit einer Lichtstärke von f3,5–f5,6, mit dem die G1 zusammen zu einem Preis von rund 750 Euro in den Handel kommen soll. Daneben wird man auf ein 45–200 mm (umgerechnet 90–400 mm) zurückgreifen können. Weitere Objektive nach dem neuen Standard sind für 2009 angekündigt, so ein 14–140 mm Superzoom (entsprechend 28–280 mm), ein 7–14 mm Weitwinkelzoom (14–28 mm) und mit f1,7/20 mm auch eine lichtstarke Festbrennweite. Die von Panasonic vorgestellten Objektive tragen nicht das Leica-Label, wie es viele, aber auch schon früher keineswegs alle Objektive der Lumix-Modelle trugen. Die langjährige Kooperation zwischen Panasonic und Leica hat sich in den letzten Monaten wieder intensiviert, aber am Micro-FourThirds-Standard ist Leica erklärtermaßen nicht interessiert.

Erst mit weiteren Wechselobjektiven wird die G1 zum vollwertigen Ersatz für eine Bridge-Kamera mit großem Zoombereich, wie sie das bisherige Flaggschiff DMC-FZ50 darstellt. Gegenüber dieser ist sie dann auch deutlich kleiner, wenn auch nicht unbedingt leichter, denn zu den 385 Gramm (zuzüglich des Gewichts von Lithium-Ionen-Akku und Speicherkarte) muss man das des Objektivs hinzu rechnen, und der mehr als doppelt so große Sensor fordert seinen Preis in Gestalt von größeren und schwereren Linsen. Gegenüber den bislang kleinsten FourThirds-Modellen aus Olympus’ E-4x0-Reihe ist die G1 aber nochmals geschrumpft.

Ein Nachtrag in eigener Sache: Die Einführung der neuen Klasse der EVIL-Kameras machte es nötig, unser Suchformular für Kameradatenblätter zu erweitern. Als Typ kann man neben „Kompakt“, „Spiegelreflex“ und „Messsucher“ nun „EVIL“ auswählen, was dann auch in der Fundstellenliste als Kameratyp angezeigt wird.

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