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Digitaler Zeichenstift

Olympus enthüllt sein Micro-FourThirds-Modell

16.06.2009 | mjh

Wenn Olympus seine erste Micro-FourThirds-Kamera mit dem Claim „Not a compact“ bewirbt, dann mag sich der des Englischen Kundige fragen, ob mit „compact“ die Kompaktkamera oder die Puderdose gemeint ist. Die E-P1 ist in der Tat keine Kompaktkamera, sondern eine modulare Systemkamera mit Wechselobjektiven, sollte in der Handtasche aber auch nicht mit anderen Utensilien verwechselt werden, galt doch schon ihr analoges Vorgängermodell, die Halbformatkamera Pen, vor 50 Jahren als „young ladies camera“ – ein Image, das Olympus auch für die E-P1 nahezulegen scheint. Die neben einer weißen Ausführung verfügbare silberne Version könnte aber dafür sorgen, dass sich auch bei der männlichen Klientel ein „haben wollen“ Gefühl einstellt. Nicht anders war es seinerzeit mit der Pen, die auf einem Kleinbildfilm 72 Bilder im Halbformat unterbrachte, denn zwei Drittel der Pen-Fotografen waren männlichen Geschlechts.

Pen-Werbung einst und jetzt: links die Pen EE, rechts die digitale Pen E-P1

Das Bild des Micro-FourThirds-Systems wurde bislang von den Panasonic-Modellen G1 und GH1 geprägt, deren Besonderheit ihr hochauflösender elektronischer Sucher ist. Während sie damit äußerlich an eine DSLR erinnern, zitiert der Retro-Look der E-P1 das von Yoshihisa Maitani entwickelte Design der Pen-Modelle. Zugunsten geringer Abmessungen hat Olympus auf einen Sucher ebenso wie auf einen integrierten Blitz verzichtet; auf den Blitzschuh kann man allerdings statt des als Zubehör angebotenen Systemblitzgeräts mit Leitzahl 14 auch einen optischen Sucher stecken. Dessen Gesichtsfeld ist an eines der beiden zunächst verfügbaren Objektive angepasst, ein flaches „Pancake“-Objektiv mit 17 mm Brennweite, was auf das Kleinbildformat umgerechnet 34 mm entspricht – ein leichtes Weitwinkel mit Lichtstärke 1:2,8 also, das sich als Universalobjektiv eignet. Die E-P1 wird aber auch im Kit mit einem Standardzoom ED 14–42 mm 1:3,5–5,6 angeboten und soll in dieser Kombination ab Juli für rund 800 Euro in den Handel kommen.

Neben den für das kürzere Auflagemaß und den Kontrastvergleichs-Autofokus optimierten Micro-FourThirds-Objektiven kann man an der E-P1 über einen optionalen Adapter auch Objektive des FourThirds-Systems nutzen, mit einem OM-Adapter auch solche von Olympus’ vor sieben Jahren eingestelltem Kleinbild-Spiegelreflexsystem.

Die Ausstattung der E-P1 ähnelt der neuerer Modelle des E-Systems; der 12-Megapixel-Sensor ist aus Modellen wie der E-30 und E-620 bekannt, aber seine Daten werden jetzt von einem neu entwickelten TruePic-V-Prozessor verarbeitet, womit ISO-Werte bis 6400 verfügbar werden. Auch das Antialiasingfilter vor dem Sensor wurde neu abgestimmt; da der neue Prozessor erfolgreicher darin ist, farbige Moirés zu vermeiden, konnte das auflösungsmindernde Filter schwächer dimensioniert werden. Der Sensor wird durch das bewährte, nun aber an Micro FourThirds angepasste SSWF-Verfahren vor Staub geschützt und kann zur Bildstabilisierung in zwei Dimensionen ausgelenkt werden. Objektive mit Bildstabilisator, wie sie Panasonic für seine Modelle anbietet, sind daher unnötig; der integrierte Bildstabilisator funktioniert sogar mit den manuell fokussierten Objektiven des 2002 aufgegebenen OM-Systems, nachdem man deren Brennweite im Menü eingegeben hat.

Der nach dem Kontrastvergleichsverfahren arbeitende Autofokus hat eine variable Zahl von Messfeldern: Zwischen 11 Messfeldern kann man manuell wählen oder die Wahl der Kamera überlassen; schaltet man die Gesichtserkennung ein, stehen 25 Messfelder zur Wahl. Im bis zu 10fach vergrößerten Sucherbild auf dem 3-Zoll-Display mit 230.000 Bildpunkten ist eine noch feinere Auswahl unter 225 Messfeldern möglich. Auch ein kontinuierlicher Autofokus und eine manuelle Scharfeinstellung stehen zur Wahl.

Neben den Einzelbild- und Serienbildmodi gibt es einen Videomodus, in dem man AVI-Filme in einer HD-Auflösung von 1280x720 Pixel mit PCM-Stereoton aufzeichnen kann; zur Wiedergabe von Bildern und Filmen kann man die E-P1 über eine HDMI-Schnittstelle an hochauflösende Fernseher anschließen.

Als Speichermedium dienen, erstmals bei Olympus, SD- und SDHC-Karten, die auch für Videoaufnahmen hinreichend Platz bieten. Die Stromversorgung übernimmt ein Lithium-Ionen-Akku mit 8,2 Wh für rund 300 Aufnahmen (nach CIPA-Standard), wie er auch in der E-620 und E-450 genutzt wird. Die E-P1 ist dennoch weniger als halb so groß wie Olympus’ kleinste DSLR; sie misst 120,5, 70 und 35 mm in Breite, Höhe beziehungsweise Tiefe und wiegt trotz ihres Metallgehäuses aus Aluminium und Edelstahl nur 335 Gramm (ohne Akku und Speicherkarte).

Der für das Bundle mit dem Standardzoom angegebene Preis von rund 800 Euro lässt erwarten, dass die E-P1 alleine zwischen 700 und 750 Euro kosten wird. Damit hielte sie deutlichen Abstand zum Preissegment der Einsteiger-DSLRs, das im Olympus-Sortiment von der E-450 für rund 450 Euro abgedeckt wird, und wäre für zwischen DSLR und EVIL schwankende Kunden eher ein Konkurrenzmodell zur E-620 aus demselben Hause. Dabei soll die E-P1 kein Einzelkämpfer bleiben; neben weiteren Objektiven plant Olympus auch alternative Gehäuse für das Micro-FourThirds-System, auch solche mit elektronischem Sucher and daher etwas größeren Abmessungen.

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