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Das Rohe und das Gekochte

Adobes DNG-Format unterstützt jetzt auch eingebettete Bildbearbeitungskommandos

24.06.2009 | mjh

Selbst ein hoch korrigiertes Objektiv ist nicht völlig frei von Abbildungsfehlern und auch bei den Sensoren finden sich unter Millionen von Pixeln einige wenige, die schadhaft sind. Solche Fehler können in der Bildverarbeitung korrigiert werden, sei es die interne Bildverarbeitung zu einer JPEG-Datei oder die spätere Umwandlung der als Raw-Datei gespeicherten Rohdaten des Sensors. Da die Hersteller die Eigenschaften ihrer Objektive inklusive deren Fehler sehr genau kennen, können sie in Raw-Dateien alle Daten speichern, die ein Raw-Konverter für eine spätere Korrektur benötigt. Hierfür stehen nur proprietäre Teile der Metadaten zur Verfügung, und so kann sie nur die Software des Kameraherstellers interpretieren. Wer statt beispielsweise Canons Digital Photo Professional oder Hasselblads Phocus lieber einen anderen Raw-Konverter nutzt, muss Korrekturen mühsam von Hand vornehmen.

Dies wird zunehmend auch für die Kamerahersteller zum Problem, wie sich jüngst am Beispiel der Panasonic Lumix DMC-LX3 zeigte. Deren Objektiv hat eine in dieser Klasse konkurrenzlos hohe Lichtstärke von f2,0–f2,8 und einen ausgedehnten Weitwinkelbereich bis umgerechnet 24 mm, aber diese Kenndaten ließen sich bei den vorgegebenen Abmessungen nur mit Kompromissen realisieren, zu denen neben einem kleinen Zoombereich auch eine relativ starke Verzeichnung bei den kurzen Brennweiten gehört. Diese Verzeichnung lässt sich zwar gut herausrechnen, sodass man sie den in der Kamera erzeugten JPEGs nicht ansieht. Speichert man jedoch im Raw-Format, so wird die Verzeichnung nur von der mitgelieferten Software automatisch korrigiert. Eine sichtbare Verzeichnung wäre aber nicht in Panasonics Interesse gewesen, und so sträubte sich der Hersteller zunächst gegen die Konvertierung durch Raw-Konverter von Dritten.

Adobe hatte deshalb zunächst auf die Unterstützung der LX3 durch seine Raw-Konverter verzichtet, aber dass sie schon länger an einer Lösung des Problems arbeiteten, kann man aus der neuen Version 1.3 ihres universellen Raw-Formats DNG herauslesen. DNG 1.3 unterstützt die Einbettung von Korrekturbefehlen in die Raw-Datei, die dann von jedem Raw-Konverter ausgeführt werden können, der DNG 1.3 unterstützt. Insgesamt sind drei Stufen von Korrekturen vorgesehen, die auf die unmittelbar aus dem Sensor ausgelesenen Daten, deren linearisierte Version sowie auf die durch Demosaicing vervollständigten RGB-Daten angewandt werden können – die meisten Sensoren liefern ja pro Pixel nur die Daten eines Farbkanals; die beiden fehlenden Grundfarben müssen aus den Nachbarpixeln interpoliert werden. Zu den Korrekturbefehlen gehören solche zur Verzeichnungskorrektur, der Korrektur der lateralen chromatischen Aberration, der Kompensation der Vignettierung, der Tonwertkorrektur sowie der Ersetzung fehlerhafter Sensorpixel. Auf diese Weise werden die automatischen Korrekturen nicht nur Raw-Konvertern von Drittanbietern zugänglich; es wird auch möglich, Operationen aus der Kamera in den Raw-Konverter zu verlagern, um die Verarbeitung zu beschleunigen. Beispielsweise findet die Korrektur fehlerhafter Sensorpixel oder Hotpixeln bei Langzeitbelichtungen bislang typischerweise in der Kamera statt.

Während die Erweiterung des DNG-Formats also Fotograf wie Kamerahersteller Vorteile bringt und und unabhängigen Softwareherstellern neue Möglichkeiten zur Verbesserung der Bildqualität eröffnet, könnte hierin auch eine Gefahr liegen: Würden die automatischen Korrekturen nämlich routinemäßig und nicht abschaltbar angewandt, würden Qualitätsunterschiede zwischen unterschiedlich hoch korrigierten Objektiven nivelliert. Eine digitale Korrektur kann zwar das Ergebnis verbessern, ist aber kein Ersatz für eine Korrektur im Objektiv selbst, sofern diese mit vertretbarem Aufwand möglich ist.

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