News  |  Suchformular AddThis Feed Button

Möge die M8 mit Dir sein

Leicas neuestes Messuchermodell ist eine reine Digitalkamera

15.09.2006 | mjh

Wenn man Leica eines nicht zum Vorwurf machen kann, dann ist es die überhastete Einführung neuer Produkte. Schon die bisherigen Modelle der M-Reihe blieben jeweils für Jahre aktuell und wurden nur behutsam weiterentwickelt – durchaus im Einverständnis mit dem wertkonservativen Kundenstamm. Dass Leica seine Reihe von Messsucherkameras um ein digitales Modell erweitern wollte, daraus hatte man in Solms keinen Hehl gemacht, aber man wollte auch keine halbgaren Lösungen präsentieren. So musste es Leica hinnehmen, dass ihnen Epson mit der ersten (und mittlerweile auch der zweiten) digitalen Messsucherkamera zuvor kam: Im Oktober 2004 erschien die gemeinsam mit Cosina entwickelte R-D1, gefolgt im Juni diesen Jahres von der R-D1s; beide Kameras sind zu Leica-Objektiven mit M-Bajonett kompatibel. Nun aber ist die digitale Leica M marktreif, und es handelt sich nicht bloß um eine digitale Variante: Die M8 ist eine Digitalkamera, und von einer Kleinbildvariante ist derzeit nicht die Rede.

Im Gegensatz zu Spiegelreflexkameras haben Messsucherkameras keinen Spiegelkasten, der einen größeren Abstand zwischen der Hinterlinse des Objektivs und der Bildebene erzwingt; Objektive der M-Reihe können der Bildebene daher recht nahe kommen. Dies führt wiederum dazu, dass die Lichtstrahlen im Randbereich aus einem relativ flachen Winkel einfallen können und von den Mikrolinsen eines gewöhnlichen Sensors nicht mehr eingefangen würden; das Ergebnis wäre eine starke Vignettierung. Leica ist diesem Problem mit einer dreiteiligen Strategie begegnet: Zunächst einmal misst der 10-Megapixel-Sensor lediglich 27 mal 18 Millimeter, ist also kleiner als das Kleinbildformat, woraus sich ein Verlängerungsfaktor von 1,33 ergibt. Damit wird das Ausmaß der möglichen Vignettierung bereits verringert, aber eine systematische Verschiebung der Mikrolinsen im äußeren Bereich des Kodak-Sensors trägt ebenfalls dazu bei, auch die Strahlen im Randbereich auf die Fotodioden zu lenken. Die jüngst eingeführt Kodierung der Objektive mit einem Muster aus schwarzen und weißen Flächen, die auch nachträglich angebracht werden kann, ermöglicht der Kameraelektronik schließlich, Reste der Randabdunkelung auf digitalem Wege auszugleichen.

Die Leica M8 ist eine vollständige Neuentwicklung, entspricht von der Ausstattung und der Bedienung her aber dem gewohnten Standard. Die Verschlusszeit kann zwischen 1/8000 und 4 Sekunden manuell gewählt oder von einer Zeitautomatik auf Basis einer mittenbetonten Integralmessung kontrolliert werden; die längste Verschlusszeit ist dann erst mit 32 Sekunden erreicht; daneben gibt es eine Bulb-Einstellung. Blitzgeräte können mit einer Verschlusszeit von minimal 1/250 Sek. synchronisiert werden; die M8 unterstützt die M-TTL-Blitzsteuerung mit Messvorblitz. Zur Kontrolle der Belichtung dient eine Histogrammanzeige und ein Hinweis auf ausgefressene Lichter. Die Bilder werden wahlweise im JPEG- oder im DNG-Rohdatenformat gespeichert; als Speichermedium dienen SD-Karten.

Die Leica M8 wird voraussichtlich im November zu einem Preis von rund 4200 Euro in den Handel kommen; das Kleinbildmodell M7 bleibt weiterhin verfügbar.

Weiterführende Links

Welche News suchen Sie?

Sie können nach mehreren Wörtern suchen und auch Wörter ausschließen, die nicht vorkommen sollen: Mit „+zoom -makro“ suchen Sie beispielsweise nach Einträgen, in denen „zoom“, nicht aber „makro“ vorkommt.


   
Copyright ©2006 by Michael J. Hußmann