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Die weißen Scheiben sind müde ...

Gute Nachrichten für Besitzer von Fujis X10

13.03.2012 | mjh

Nach ihrer Markteinführung Ende letzten Jahres wurde Fujis X10 in praktisch allen Tests eine sehr gute Bildqualität bescheinigt, aber in der fotografischen Praxis entdeckten manche Käufer ein Problem, das sich den gängigen Testverfahren entzogen hatte: Bei starken Szenenkontrasten konnten sich um helle Lichtquellen oder Reflexe weiße, meist kreisförmige Scheiben ausbilden, die durch Blooming verursacht wurden, also durch das Überfließen elektrischer Ladungen von einem überbelichteten Sensorpixel zu dessen Nachbarn. In den der überwiegenden Mehrzahl der Bilder sah man zwar nichts davon; viele Besitzer einer X10 haben auch bis heute keine weißen Scheiben produzieren können. Da sich schlechte Nachrichten aber besonders schnell im Internet verbreiten, waren die einschlägigen Foren bald voll von Threads, die sich um dieses Thema drehten.

Fuji hatte schon Anfang Dezember bestätigt, dass es sich bei den beobachteten Artefakten um die Auswirkungen von Blooming handele, zu dem der in der X10 erstmals eingesetzte EXR-Sensor in FSI-CMOS-Technologie offenbar neigte (inzwischen ist mit der X-S1 ein zweites Modell mit diesem Sensor auf dem Markt). Obwohl das Verhalten nach Fujis Aussagen innerhalb ihrer Spezifikation läge, wollten sie ein Firmware-Update entwickeln, mit dem die Auswirkungen des Problems gemildert würden. Dieses Update, das auch diverse andere Fehler beseitigte und Verbesserungen bei der Bedienung brachte, wurde dann im Februar veröffentlicht; wir berichteten. Die Beschreibung der konkreten Veränderung blieb allerdings recht vage, was manche auf die falsche Fährte lockte: Am Verhalten des Sensors änderte sich nämlich nichts; die Belichtungsautomatiken wurden dagegen so modifiziert, dass sie kritische Aufnahmesituationen mit hohem Szenenkontrast erkennen und den ISO-Wert und Dynamikumfang dann heraufsetzen konnten: Je höher der ISO-Wert und je knapper daher die Belichtung, desto geringer ist die Neigung zu weißen Scheiben. Wer nun die Belichtungsautomatik abschaltete und bei manueller Belichtung einen Unterschied zur alten Firmware finden wollte, kam zwangsläufig zum falschen Schluss, dass sich nichts geändert hätte.

Die Anpassung der Belichtungsautomatiken stellte nicht alle zufrieden, die mit weißen Scheiben kämpften, denn bei Langzeitbelichtungen mit niedrigem ISO-Wert war die von Fuji implementierte Ausweichstrategie nicht anwendbar. Parallel zur Firmware-Entwicklung hatten sich Fujis Ingenieure aber offenbar auch mit der eigentlichen Ursache des Problems beschäftigt, also der relativ starken Blooming-Neigung des Sensors. Am 12. März gab Fuji nun bekannt, dass sie eine modifizierte Sensorversion mit reduzierter Blooming-Neigung entwickelt hätten; bis Ende Mai solle dieser verbesserte Sensor voraussichtlich in hinreichenden Stückzahlen verfügbar sein, um in X10 und X-S1 eingebaut zu werden, womit das Thema der weißen Scheiben zu den Akten gelegt werden könne. Wer eine X10 besitzt und Probleme mit dem Blooming hat, sollte sich bei Fujis Kundendienst melden. Über das genaue Prozedere für einen Sensortausch ist noch nicht entschieden, aber Fuji will seine Kunden zu gegebener Zeit benachrichtigen. Vorher noch (voraussichtlich am 21. März) wird es ein Firmware-Update für die X-S1 geben, das dieselben Modifikation der Belichtungsautomatiken enthält, wie sie bei der X10 das Problem der weißen Scheiben mildern sollen.

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