News  |  Suchformular AddThis Feed Button

Reparaturprogramm für Leica M8

Die Kinderkrankheiten der M8 sind offenbar heilbar

29.11.2006 | cja

Selbst eine mehrere Jahre dauernde Entwicklungszeit schützt offenbar nicht vor Kinderkrankheiten eines neuen Produkts: Nachdem Leicas digitale Messsucherkamera M8 erst zur Photokina eingeführt worden war, startet der Hersteller nun eine Rückrufaktion für die vor dem 27. November gefertigten Exemplare. Unter ungünstigen Bedingungen kann es Leica zufolge zu Streifenbildungen kommen, die als Banding und Mirror/Ghost Effects bezeichnet werden. Dieses Phänomen tritt typischerweise bei höheren ISO-Werten auf, wenn helle Lichtquellen im Bild sind. Eine leichte Modifikation der Kameraelektronik soll hier Abhilfe schaffen; dazu muss die Kamera nach Solms eingeschickt werden.

Ein weiteres Problem, das die M8 plagt, ist ihre erhöhte Empfindlichkeit für Infrarot. Im Fotoalltag kann dies zu Fehlfarben vor allem bei synthetischen Textilien führen, die statt in sattem Schwarz in Magentatönen wiedergegeben werden. Aber auch andere Motive mit anderen Farben können betroffen sein, wenn sie infrarotes Licht besonders gut reflektieren. Da CCD- und CMOS-Sensoren nicht nur für das sichtbare Licht, sondern auch für das nahe Infrarot oberhalb von 700 nm empfindlich sind, muss dieser unsichtbare Wellenlängenbereich herausgefiltert werden; er würde sonst von den für Rot und in etwas geringerem Maße auch den für Blau empfindlichen Sensorzellen registriert. Meist werden dazu dichroitische Interferenzfilter eingesetzt, die eine sehr steile Kennlinie haben und Infrarot trennscharf von Rot trennen. Ihre Eigenheit, das unerwünschte Licht zu reflektieren, kann allerdings zu Geisterbildern führen, wenn dieses Licht wiederum von der Hinterlinse des Objektivs zum Sensor zurückgeworfen wird. Bei der Messsucherkamera M8 kommt noch hinzu, dass der Abstand zwischen Objektiv und Sensor sehr gering sein kann und die Lichtstrahlen im Randbereich daher in einem flachen Winkel einfallen können. Bei Spiegelreflexkameras erzwingt dagegen schon der Rückschwingspiegel einen größeren Abstand. Wenn das Licht das Sperrfilter nicht senkrecht, sondern in einem flachen Winkel durchläuft, verschiebt sich die Filterkennlinie. Leica hatte sich daher für ein Absorptionsfilter entschieden, dessen Kennlinie zwar weniger steil ist, das dafür aber die Nachteile dichroitischer Filter vermeidet. Auch die Wirkung dieser Absorptionsfilter ist allerdings vom Einfallswinkel abhängig: Neben Infrarot unterdrückt es auch Rot stärker, wenn das Licht das Filter in einem flacheren Winkel durchquert. Das besonders dünne Absorptionsfilter der M8 vermeidet auch diesen Nachteil, nur hatte Leica offenbar die Probleme unterschätzt, die durch die entsprechend geringe Infrarot-Unterdrückung entstehen würden.

Als Lösung bietet der Hersteller jedem M8-Kunden zwei kostenlose UV/IR-Sperrfilter mit beliebigem Durchmesser an, die auf die Objektive geschraubt werden müssen und gemeinsam mit dem Filter vor dem Sensor für die nötige IR-Unterdrückung sorgen. Gleichzeitig kündigt Leica weitere Verbesserung für die M8 durch ein kommendes Firmware-Update an.

M8-Käufer sollten sich ab dem 6. Dezember 2006 unter Angabe der Adresse und Kameraseriennummer auf der Leica-Webseite melden. Alternativ kann man die Filter auch telefonisch unter der Telefonnummer 06442/20 81 65 beantragen. Nach erfolgreicher Registrierung werden die Filter ab Anfang Februar 2007 den Kunden zugeschickt. Weitere Filter sind bei Leica-Händler verfügbar. Dabei ist es egal, ob die Kamera vor dem 27. November 2006 ausgeliefert wurde oder danach. Leica will sich sicher sein, dass Kameras, die danach ausgeliefert wurden, nicht von dem Problem betroffen sind, dennoch können sich auch diese Modellbesitzer an Leica wenden.

Weiterführende Links

Welche News suchen Sie?

Sie können nach mehreren Wörtern suchen und auch Wörter ausschließen, die nicht vorkommen sollen: Mit „+zoom -makro“ suchen Sie beispielsweise nach Einträgen, in denen „zoom“, nicht aber „makro“ vorkommt.


   
Copyright ©2006 by Christopher Jakob