Im Test: Ricoh Caplio 500G wide

Für rund 600 Euro hat Ricoh im August 2006 die Caplio 500G wide eingeführt. Im Blick hat das Unternehmen nicht unbedingt den sportlichen Freizeitanwender, sondern eher den arbeitenden Feuerwehrmann oder einen im Baugewerbe tätigen. Von daher ist das Gehäuse nicht unbedingt Hosentaschentauglich. Dennoch verbirgt sich unter der wasserbeständigen und staubgeschützen Hülle ein Sensor mit einer Auflösung von 8,13 Megapixel sowie ein 3fach-Zoom mit der umgerechneten Brennweite von 28 bis 85 Millimeter. Die Lichtstärke der Linsengruppe sinkt von f2,5 bei kürzester Brennweite auf f4,3 bei längster ab. Ein 4fach digitale Zoom steht ebenfalls zur Verfügung. Ein Hilfslicht unterstützt den Autofokus bei der Suche nach der korrekten Schärfe. Im Makromodus lässt sich die Schutzhülle des Objektivs auf das Motiv absetzen, so dicht kann man herangehen. Dabei ist eine Bilddiagonale von rund 29 Millimeter sowie ein Abbildungsmaßstab von 142 Pixel pro Millimeter möglich.

Belichtungssteuerung

Als maximale Empfindlichkeit bietet die Caplio 500G wide ISO 1600 an. Die Nennempfindlichkeit ist ISO 64. Die Belichtungssteuerung erfolgt mittels einer Programmautomatik oder mit einem von 5 Motivprogrammen. Neben der obligatorischen Belichtungskorrektur von plus/minus 2LV existieren somit keine weiteren Eingriffsmöglichkeiten. Der Weißabgleich bietet neben der automatischen Einstellung 5 Voreinstellungen eine manuelle Option. Die Schärfe sowie die Farbsättigung lassen sich je in drei Stufen bestimmen. Intervall-Aufnahmen sind möglich.

Handling

Die Caplio 500G wide ist keine Kamera für die Hosentasche. Dazu ist sie einfach zu globig. Aber dafür ist sie ja auch nicht vorgesehen. Die groß gehaltenen Bedienelemente lassen sich gut mit Handschuhen betätigen, vorausgesetzt diese sind nicht zu dick und zu steif. Die Bedienung ist einfach und übersichtlich, sodass ein Fotograf nicht viel Zeit zum Einarbeiten benötigt, was beispielsweise für wechselnde Fotografendienste in einer Arbeitsmannschaft wichtig ist.

Knapp 3 Sekunden benötigt die robuste Kamera, bis sie im Wiedergabemodus ein Bild scharf auf dem eingebauten Display anzeigt. Das nervt auf Dauer etwas, auch wenn die 500G wide zuvor das Foto unscharf darstellt, damit man zumindest schon etwas erkennen kann.

Automatisch schaltet sich die 500G ein, wenn man ein Kabel an die USB-Schnittstelle anschließt. Den Massenspeichermodus unterstützt die Digitalkamera erfreulicherweise. Wir messen hierbei zwei unterschiedliche Übertragungsgeschwindigkeiten: Während die Bilddaten aus dem internen Speicher mit 2,26 MByte pro Sekunden auf den Rechner übertragen werden, lassen sich die Daten von einer eingelegten SD-Karte mit 3,26 MByte pro Sekunde transferieren.


Ricoh Caplio 500G wide

HerstellerRicoh
Preisrund 600 Euro
MarkteinführungAugust 2006
Sensor1/1,8-Zoll-CCD (7,1x5,3 mm); 8,13 Mio. Pixel; Pixelabstand 2,2 µm
Auflösungen3264x2448, 2592x1944, 2048x1536, 1280x960, 640x480
Megapixel8,13
Brennweite/Lichtstärke28 bis 85 mm, f2,5 bis f4,3
Zoom (optisch/digital)3fach/4fach
Naheinstellgrenze30 cm, Makro: 1 cm
Abbildungsmaßstab / kleinste Bilddiagonale142 Pixel/mm, 28,8 mm
FiltergewindeNein
Autofokusja, mit Hilfslicht, auch Fixfokus- und feste Unendlich-Einstellung
Manuelle Fokussierungja
Empfindlichkeit (ISO)64, 100, 200, 400, 800, 1600
Blendef2,5 bis k.A.
Verschlusszeit1 bis 1/2000 Sekunde, manuell bis 8 Sekunden
BelichtungssteuerungProgrammautomatik, Motivprogramme (5)
Belichtungsmessungmittenbetont, Mehrfeld (256 Messfelder), Spot
Belichtungskorrekturum ±2 EV in Schritten von 1/3 EV
Kontrollierbare Parameter
Histogramm (vor/nach der Aufnahme)ja/ja
Parameter für BelichtungsreihenLichtwert (drei Aufnahmen in Schritten von 1/2 EV), Weißabgleich
Weißabgleichautomatisch, manuell, 5 Voreinstellungen
Serienbilder1,4 Bilder pro Sekunde, 5 in Folge
Blitzeingebaut; Rote-Augen-Reduktion; Langzeitsynchronisation
Sucheroptisch
Display2,5-Zoll-TFT-LCD mit 153000 Bildpunkten
Speicher (Lieferumfang)MultiMediaCard/SecureDigital (26 MB intern)
SpeicherformateJPEG, AVI (im Textmodus wird im TIF-Format gespeichert)
Movie-Modus (Auflösung/Bilder pro Sek./Länge/Ton)320x240, 160x120/30/unbegrenzt/mit Ton
SchnittstellenUSB High-Speed, AV-out (USB-Durchsatz 3,26 MByte/sek von SD-Karte, 2,26 MByte/sek vom internen Speicher)
Stromversorgung2 AA-Batterien oder -Akkus, 1 Lithium-Ionen-Akku; Lieferumfang: Lithium-Ionen-Akku und Ladegerät; maximale Batterielaufzeit nach CIPA: 400 mit Lithium-Ionen-Akku Aufnahmen
Abmessungen (B/H/T)133/78,5/74 mm
Gewicht (betriebsbereit)450 Gramm
Besonderheitenwasserdicht nach JIS-Schutzgrad 7 (die Kamera kann bis zu 30 Minuten in einer Wassertiefe von bis zu einem Meter genutzt werden); staubdicht nach JIS-Schutzgrad 6; stoßgeschützt (übersteht einen Fall aus einem Meter Höhe gemäß MIL-Standard 810F); Funktion zur perspektivischen Entzerrung; Intervalltimer; Menüsprachen Englisch und Japanisch

Geschwindigkeit

1,2 Sekunden nach dem Einschalten ist die Caplio 500G wide einsatzbereit. Die Auslöseverzögerung nach erfolgtem Vorfokussieren beträgt bei kürzester Brennweite 0,00 Sekunden. Inklusive des Fokussiervorgangs messen wir dann 0,2 Sekunden bei kürzester und längster Brennweite. Die Bildfolgezeit ist mit 1,5 Sekunden gut. Die Serienbildzeit jedoch, die wir mit 1,4 Serienbilder pro Sekunde messen, liegt jenseits von Gut und Böse. Insgesamt lassen sich hier 5 Bilder in Folge schießen.


Ricoh Caplio 500G wide: Geschwindigkeit

Einschaltzeit (Sek.)1,2
Auslöseverzögerung nach Vorfokussierung (Sek.)0,00
Auslöseverzögerung inkl. Fokussierung bei kürzester Brennweite (Sek.)0,2
Auslöseverzögerung inkl. Fokussierung bei längster Brennweite (Sek.)0,2
Bildfolgezeit (Sek.)1,5
Serienbildfrequenz bei höchster JPEG-Qualität (Bilder/Sek.)1,4
Anzahl der Serienbilder in Folge5

Bildqualität

Mit einer Auflösung von rund 1420 Linien pro Bildhöhe zeigt die Caplio 500G wide ein gutes Resultat. In der Grundempfindlichkeit von ISO 64 messen wir einen Rauschabstand von 15,6 dB sowie ein Farbrauschen von 1,4 Prozent. Während der erste Wert ein gutes Ergebnis ist, ist das Farbrauschen bereits in der Nennempfindlichkeit sehr hoch. Und über die Empfindlichkeitsstufen steigt das Farbrauschen weiter an. Ricoh deckelt den Anstiegt bei ISO 400 etwas. Die störenden Erscheinungen steigen jedoch bei ISO 800 auf 2,7 Prozent und landen schließlich unter der höchsten Empfindlichkeit von ISO 1600 bei 4,4 Prozent. Ein doch sehr hoher Wert, den wir uns dadurch erklären versuchen, dass Ricoh durch eine starke Rauschunterdrückung fotografierte Strukturen nicht überbügeln will. Denn die Caplio soll im beruflichen Umfeld auch als Dokumentationsmittel eingesetzt werden. Und da geht Realität vor Schönheit. Auch das Helligkeitsrauschen steigt beständig an, was an den sinkenden Werten des Rauschabstands abzulesen ist. Wir messen bei ISO 100 13,7 dB, bei ISO 200 12,0 dB und bei ISO 400 schon den kritischen Wert von 10,3 dB. Bei ISO 800 stellen wir dann 9,5 dB und bei ISO 1600 7,6 dB fest.

Die Vignettierung des Objektivs ist bei der kürzesten Brennweite sehr hoch. Und auch die Blitzvignettierung ist sehr stark. Ähnlich sieht es mit der Verzeichnung bei der Linsengruppe aus. Bei kürzester Brennweite ergeben unsere Messungen eine gerade noch ausreichende Verzeichnung von 3,1 Prozent. Bei längster Brennweite im Telebereich stellen wir dagegen nur noch eine Verzeichnung von 1,0 Prozent fest, was einem guten Ergebnis entspricht.

Die Farbtreue ist mit einer Abweichung von 1,4 Prozent gut. Gelb tendiert zu Grün, Grün tendiert etwas stärker zu Cyan und Blau tendiert zu ebenfalls zu Cyan. Außerdem tendiert Magenta etwas stärker zu Blau. Der automatische Weißabgleich arbeitet unter Tageslichtbedingungen gut. Wir stellen hier lediglich eine Fehlerquote von 3,9 Prozent fest. Unter Kunstlichtbedingungen des Testlabors erzeugt die Voreinstellung der Kamera jedoch eine Abweichung von 17,1 Prozent.


Fazit

Für den Freizeitbereich ist die Ricoh Caplio 500G wide eher nicht gedacht. Außer man setzt Sie bewusst nur in extremen Situationen ein. Im beruflichen Umfeld wie bei der Feuerwehr oder im Baugewerbe ist die wasserbeständige und staubgeschütze Kamera jedoch gut zu gebrauchen. Da stört dann das starke Rauschen in der Regel nicht ganz so. Lediglich das Objektiv mit der Schutzkappe hätte ein wenig besser verarbeitet werden können. Die Vignettierung und Verzeichnung sind schon recht hoch. cja


Ricoh Caplio 500G wide: Wertung

Bildqualität (40%)9,68 Punktegut (2,5)
Ausstattung (30%)9,26 Punktegut (2,6)
Geschwindigkeit (20%)10,98 Punktegut (2,0)
Handling (10%)10,50 Punktegut (2,2)
Gesamtnote9,89 Punktegut (2,4)
Prowasserbeständig und staubgeschützt, Farbtreu, guter Tageslichtweißabgleich
Contrasehr langsame Serienbildgeschwindigkeit, hohe Vignettierung und Verzeichnung, starke Abweichung beim Weißabgleich unter Kunstlicht, hohes Rauschen in den Bildern bei höheren Empfindlichkeitsstufen
Copyright ©2006 by Christopher Jakob