Gesiebtes Licht

mjh, 11. März 2026, 19:28 Uhr

Fujis Objektiventwickler stellten letzte Woche ihre Traumobjektive vor, die, ausreichendes Interesse der Kundschaft und ein paar technologische Zaubertricks vorausgesetzt, in vielleicht drei Jahren ankündigungsreif sein könnten. Darunter war auch ein Weichzeichnerobjektiv mit einer „porous aperture“, also einer porösen Blende. Was soll das sein, wozu ist sie gut, und warum genügt keine Irisblende, wie sie gewöhnlich den Lichtdurchfluss in einem Objektiv regelt?

Ein älteres Fujinon-Weichzeichner-Objektiv mit Siebblende (Foto: Fujifilm)

Vielen jüngeren Zuschauern von Fujis neuem Gesprächsformat „Focus on Glass – Untold Stories“ war die wie ein Schweizer Käse durchlöcherte Siebblende nicht vertraut; dabei ist dieses Konzept keineswegs neu. Verschiedene Hersteller hatten schon früher solche Objektive gebaut, und der bekannteste Vertreter dieser Gattung dürfte das Rodenstock Imagon sein, dessen erste Variante 1931 auf den Markt kam.

Ein Rodenstock Imagon mit auswechselbarer Siebblende (Foto: Benny Trapp)

Bei solchen Weichzeichner-Objektiven wird die sphärische Aberration bewusst unkorrigiert gelassen, so dass nahe dem Rand der Frontlinse einfallendes Licht stärker gebrochen wird also solches, das auf die Mitte der Linse trifft. Dieser Abbildungsfehler ist allen sphärisch geschliffenen Linsen gemein. Das Objektiv hat also keine einheitliche Brennweite. Anders gesagt: Das von den Strahlen nahe der optischen Achse erzeugte scharfe Bild wird von unscharfen Bildern der Randstrahlen überlagert, was einen – für Porträts manchmal erwünschten – Weichzeichnereffekt hervorruft. Aber welche Rolle spielt dabei die „poröse Blende“?

Eine Irisblende, die den Strahlengang bei stärkerem Abblenden immer enger macht, reduziert die Weichzeichnung: Durch die Randbereiche der Linsen gehende Lichtstrahlen werden damit aus der Bildentstehung ausgeschlossen und übrig bleibt eine (relativ) scharfe Abbildung. Die sphärische Aberration gehört wie die Vignettierung und der Farblängsfehler zu den Abbildungsfehlern, die vom Abblenden profitieren, während gegen eine Verzeichnung oder einen Farbquerfehler auch eine kleine Blende nichts ausrichten kann. Man könnte das Maß der Weichzeichnung also durchaus mit einer Irisblende steuern, nur würde dies gleichzeitig die Schärfentiefe vergrößern, und wenn man bei Porträtaufnahmen eine Freistellung vor unscharfem Hintergrund anstrebte, wäre das unerwünscht.

Je nach dem Bildformat und der angestrebten Weichzeichnung sind unterschiedliche Siebblenden empfehlenswert. (Foto: Fujifilm)

Stattdessen werden Weichzeichner-Objektive typischerweise mit austauschbaren Siebblenden geliefert, deren große Öffnung in der Mitte von vielen kleineren Öffnungen im peripheren Bereich umgeben ist. Der Anteil der Randstrahlen wird so reduziert, aber da sich die Öffnungen über die gesamte Fläche erstrecken, nimmt die Schärfentiefe nur wenig zu. Im Ergebnis stellt sich ein dezenter Weichzeichnereffekt ein, bei dem ein noch immer erkennbares scharfes Bild von unscharfen Aureolen um helle Bilddetails überlagert wird.

Die klassische Irisblende, benannt nach der Iris im menschlichen Auge, erfüllt drei Aufgaben. Über die Steuerung der Lichtmenge, die durch das Objektiv dringt, beeinflusst sie ebenso wie die Verschlusszeit die Belichtung. Zusätzlich verändert sie die Schärfentiefe, denn da die Unschärfekreise, aus denen sich die Abbildung eines unfokussierten Motivs zusammensetzt, Bilder der Blende sind, erzeugt eine kleinere Blende kleinere Unschärfekreise und damit ein schärferes Bild. Wie bereits erwähnt korrigiert Abblenden auch jene Abbildungsfehler, deren Ursache in der unterschiedlichen Lichtbrechung von Strahlen liegt, die an verschiedenen Stellen oder in verschiedenen Winkeln auf das Objektiv treffen.

Die Spaltsegmentblende eines Dreamagon-Objektivs (Foto: Rudolfo42)

Will man aber nur zwei dieser drei Wirkungen der Blende erreichen, ist eine andere Form nötig als die annähernd kreisrunde Öffnung einer Irisblende. Die Siebblende ist eine Variante; eine andere ist die Spaltsegmentblende, wie sie das Dreamagon nutzt. Diese besteht aus zwei gegeneinander verdrehbaren Scheiben mit ausgeschnittenen Sektoren, die sich je nach Drehwinkel unterschiedlich weit öffnen. Auch dabei behält der Unschärfekreis dieselbe Größe und die Schärfentiefe wird nur wenig beeinflusst.