Was sind EXIF-Daten?

In älteren Lehrbüchern der Fotografie wird (nicht nur) dem Anfänger empfohlen, über die Belichtungsdaten aller Fotos Buch zu führen, also nach jeder Aufnahme Blende, Belichtungszeit und andere Werte aufzuschreiben. Ein gutgemeinter Rat, denn wie soll man aus aufnahmetechnischen Fehlern lernen, wenn man später nicht mehr weiß, wie man sie gemacht hat? Dass sich andererseits auch früher schon nur wenige daran gehalten haben, liegt nicht nur daran, dass dies allzu mühsam war – die immer weitgehendere Automatisierung aller Kamerafunktionen machte es auch immer schwieriger, die Belichtungsdaten überhaupt in Erfahrung zu bringen. Wenn aber ohnehin nur die Kameraelektronik selbst weiß, wie eine Aufnahme zustande kam, sollte sie diese Daten auch selbst speichern können. Eben dazu dient das Bildformat EXIF („Exchangeable Image File format“), das neben des komprimierten Bilddaten selbst auch die Aufnahmeparameter beinhaltet.

Das EXIF-Format, ein ursprünglich japanischer Industriestandard, der in der Version 2.1 auch Bestandteil der DCF-Spezifikation („Design Rule for Camera File System“) ist, basiert auf den bekannten Formaten JPEG und TIFF für komprimierte beziehungsweise unkomprimierte Bilder. Beide Formate sind sehr flexibel und offen für Erweiterungen, weshalb es möglich war, EXIF abwärtskompatibel zu den Grundformaten zu halten: Bildbearbeitungsprogramme, die mit JPEG- und TIFF-Bildern umgehen können, sind auch in der Lage, Bilder im EXIF-Format zu öffnen. Tatsächlich sind Bilder in diesem Format kaum von gewöhnlichen JPEGs oder TIFFs zu unterscheiden, was einer der Gründe für die weitgehende Unbekanntheit des Formats trotz seiner hohen Verbreitung ist. Gewöhnlichen Grafikprogrammen entgeht freilich auch, was EXIF-Bilder gegenüber JPEG- und TIFF-Bildern auszeichnet: Neben den komprimierten oder unkomprimierten Bilddaten speichern Digitalkameras zu jedem Bild zusätzlich die Belichtungsdaten der jeweiligen Aufnahme. Wie ausführlich diese Informationen ausfallen, hängt von Hersteller und Modell ab. Zu den von den meisten Kameras protokollierten Daten zählen neben dem Aufnahmezeitpunkt die Blende und die Belichtungszeit, die Brennweite des Zoomobjektivs, die Empfindlichkeit des Bildwandlers, die Blitzbetriebsart, die Belichtungsmessmethode (etwa Integral- oder Spotmessung) und der beim Weißabgleich gewählte Wert, weiterhin Details der Umsetzung der CCD-Pixel in das gespeicherte Bild.

Gängige Bildbearbeitungsprogramme zeigten diese Zusatzinformationen lange Zeit nicht nur nicht an, sie ignorierten sie auch beim erneuten Speichern der Bilddatei. Sobald man ein aus der Kamera ausgelesenes Bild gedreht, farblich korrigiert oder mit verbessertem Kontrast gesichert hatte, waren die in der ursprünglichen EXIF-Datei noch enthaltenen Aufnahmedaten verschwunden, und wer die unbearbeiteten Originaldateien danach löschte, hatte diese Daten damit endgültig verloren. Photoshop-Anwender mussten auf die EXIF-Unterstützung bis zur Version 7.0 warten. Inzwischen werden EXIF-Daten aber recht umfassend unterstützt.

Neben den vom Kamerahersteller mitgelieferten Programmen, die EXIF-Daten meist zumindest anzeigen, gibt es auch recht komfortable Software, die die Aufnahmedaten aus EXIF-Dateien lesen, auswerten und exportieren kann. Windows-Anwender können auf die Freeware EXIF-Viewer zurückgreifen, mit der man die Belichtungsdaten nicht nur inspizieren (siehe Abbildung links), sondern auch in einem Index speichern und als Excel-Tabelle exportieren kann. Macintosh-Besitzer können sich des grafischen Allroundtalents GraphicConverter bedienen, der die zusätzlichen Daten des EXIF-Format erkennt, sie sie in der Info-Palette anzeigt, auf Wunsch in die Zwischenablage kopiert und sie beim erneuten Sichern einer Datei separat abspeichert.

Die Nützlichkeit der EXIF-Daten hängt nun davon ab, welche der im Standard vorgesehenen Felder die Kamera tatsächlich ausfüllt. Canons Digital Ixus V beispielsweise speichert auch die Entfernungseinstellung, während dieses Feld bei den meisten Kameras leer bleibt. Manche Billigkameras wiederum speichern nur sehr wenige Daten ab. Die Schlüsselwerte Blende und Belichtungszeit sind aber bei den meisten Kameras verfügbar und reichen schon aus, die Ursache einer mißlungenen Aufnahme zu erkennen: Eine lange Verschlußzeit beispielsweise macht verständlich, warum eine Aufnahme verwackelt ist, und ein Blendenwert wie f2,8 macht deutlich, dass es der Kamera an Licht gefehlt hatte – man hätte besser den eingebauten Blitz zugeschaltet, denn daß der nicht aktiv war, ist ebenfalls in den EXIF-Daten verzeichnet. Auch die Wirkung unterschiedlicher Blendenöffnungen auf die Schärfentiefe – störende Details im Hintergrund kann man nur mit weit offener Blende in Unschärfe verschwimmen lassen – lassen sich anhand der protokollierten Aufnahmedaten nachvollziehen. Um Konsequenzen daraus ziehen zu können, benötigt man natürlich eine Kamera, die eine manuelle Belichtungseinstellung oder den Wechsel des Motivprogramms erlaubt.

Wenn die Kamera die gemessene Entfernung zum Motiv speichert, kann man die scheinbare Größe von Objekten in der Schärfeebene ausmessen und aus der Brennweite und der Entfernung ihre tatsächliche Größe berechnen. Die Einsatzmöglichkeiten dieser Technik zu dokumentarischen Zwecken sind dennoch begrenzt, da das Auflösungsvermögen des Autofokus die Messgenauigkeit begrenzt – ein Angler, der seinen Fang dokumentieren will, legt doch besser einen Vergleichsmaßstab dazu.

Copyright ©Copyright ©2003 by Michael J. Hußmann