Ist es normal, wenn die Kamera oder das Objektiv im Betrieb Geräusche machen?


Früher erkannte man Kameras am mehr oder weniger vernehmlichen „Klick!“ beim Druck auf den Auslöser, und noch heute verraten sich Spiegelreflex- und Messsucherkameras auf diese Weise – Erstere mehr noch durch den Rückschwingspiegel als durch den Verschluss selbst. Spiegellose digitale Systemkameras und Kompaktkameras mit elektronischem Verschluss müssten gar kein Auslösegeräusch mehr haben, aber meist wird die Belichtung mit dem Sample einer mechanischen Verschlussauslösung unterlegt – hier greift man gerne auf edle Feinmechanik von Hasselblad oder Leica zurück. Wer das nicht mag oder als Fotograf unerkannt bleiben möchte, kann es abschalten, aber als Rückmeldung ist das künstliche Auslösegeräusch durchaus nützlich.

Da die meisten Digitalkameras nicht nur aus optischen und elektronischen Komponenten bestehen, verursachen sie aber auch echte Geräusche, und das zur Verwunderung mancher Käufer: Zu praktisch jeder neuen Kamera wird über kurz oder lang die Frage gestellt, ob die komischen Geräusche denn normal oder ein Hinweis auf einen Defekt seien.
Tatsächlich enthalten auch die meisten Digitalkameras eine Vielzahl beweglicher Teile. Zur Einstellung der Entfernung und zur Änderung der Brennweite müssen Linsengruppen gegeneinander verschoben werden, und schon diese Bewegung geht nicht völlig lautlos ab. Hinzu kommt das Surren der Motoren, die diese Bewegungen verursachen. Auch wenn man gerade nicht auf den Auslöser oder eine Zoomtaste drückt, kann beispielsweise ein kontinuierlicher Autofokus aktiv sein, der die Schärfe ständig nachführt, und in jedem Fall passt die Kamera die Blendenöffnung den wechselnden Lichtverhältnissen an – auch die sich aneinander reibenden Lamellen der Irisblende können Geräusche verursachen.

Mit einem Linearmotor kann der Autofokus besonders geräuschlos scharfstellen: Zwei bis vier Elektromagnete verschieben die Fokussiergruppe direkt, ohne ohne den Umweg über ein Getriebe. Hat man die Kamera aber ausgeschaltet, so dass das Objektiv nicht mehr mit Strom versorgt wird, können die Elektromagneten die Linsen nicht länger in Position halten. Wenn man die Kamera dann heftig bewegt, klappert es, was völlig normal ist.
Bei Modellen mit integriertem Bildstabilisator kommen noch weitere Schallquellen hinzu; neben dem Antrieb der beweglichen Linsengruppe oder des beweglichen Sensors, durch die Verwacklungen ausgeglichen werden sollen, können sich die (zwei oder drei) Gyrosensoren für Drehbewegungen sowie zwei Beschleunigungssensoren zur Erfassung von Verschiebungen der Kamera akustisch bemerkbar machen. Auch diese Sensoren enthalten bewegliche Teile.
Das Ausmaß der Geräuschentwicklung ist von Modell zu Modell verschieden; bei einigen ist der Fokussiermotor besonders laut, während manche Objektive mit Motorzoom geräuschvoll zoomen; bei Objektiven mit Bildstabilisator macht sich dieser oft durch ein Summen bemerkbar. All das weist aber nicht auf einen Defekt oder einen bald bevorstehenden Ausfall der Kamera hin und ist kein Grund zur Besorgnis.